I like – № 76: Steel Buddies

Mit DMAX kam damals eine ganz neue Gattung von Reality-Formaten in Mode. Seit Jahren begleiten wir seitdem Krabbenfischer, Goldsucher, Ice Road Trucker und andere verwegene Damen und Herren auf ihren Abenteuern. Seit 2014 erleben wir den ölverschmierten Nervenkitzel auch im wilden Westerwald, genauer gesagt: in Peterslahr. Dort hat der Schrauber Michael Manousakis mit Morlock Motors seinen Sitz auf 22.000 Quadratmetern Abenteuerspielplatz. Er kauft, verkauft, restauriert und (vor allem) lagert hier eine Unmenge militärischer US-Fahrzeuge. Grundlage des Geschäfts ist ein Deal mit der US-Armee, der beinhaltet, dass er der Truppe alles (kurze Pause … geschlossene Augen … leichtes Kopfschütteln … „ALLES“) abnimmt, was diese in Europa aussondert.

Das beinhaltet allerdings nicht nur Fahrzeuge, sondern eben „… ALLES“. Von Klamotten über Schlafsäcke bis hin zu medizinischen Gerätschaften erreichen so Tonnen von Material den Hof in Peterslahr. Vieles wird direkt an andere Großhändler weiterverkauft oder fachgerecht entsorgt. Die wahren Schätze sind jedoch jene, die Kraftstoffe verbrennen. Deswegen sucht Michael und sein Team auf der ganzen Welt auch nach weiteren Exoten: US-Schulbusse, Flugzeuge, Schiffe oder demilitarisierte Panzer werden gekauft und in den Westerwald verfrachtet. Dort wird repariert, restauriert, verkauft und natürlich viel geflucht. Signature-Move von Michael ist eine kritische Bewertung der Gesamtsituation: „Katastrophe!“

Also ein Format nur für Autonarren? Gar nicht! Steel Buddies war eine der Sendungen, die ich leise angemacht habe, wenn meine Freundin bei Netflix eingeschlafen ist. Irgendwann fragte sie beim Wachwerden, was ich da immer gucke. Heute sind die Steel Buddies fest in der Liste unseres gemeinsamen Programms. Und wir sind beide so gar nicht vom Typ „Benzin im Blut“. Es ist vielmehr der Mix aus liebenswerten Charakteren und aberwitzigen Projekten, der den Reiz dieses Formats ausmacht. Hin und wieder muss man über ein paar manly Werkstatt-Sprüche hinweg hören, geht aber.

Und eine weitere kleine Überraschung: Auch als großer Liebhaber deutscher Dialekte hatte ich mit rheinischem Akzent immer so meine Probleme, vermutlich beeinflusst durch schlechte Comedians aus dieser Region. Steel Buddies hat mich diese Mundart nochmal neu entdecken und lieben lassen. Insbesondere der knurrige Lackierer Günter leistet hier gute Missionsarbeit – dankenswerterweise untertitelt.

Alles („… ALLES“) was im Rahmen dieses Formats produziert wurde, kann man sich bei Joyn oder in den Mediatheken ansehen. Im Herbst diesen Jahres startet dann die neue Staffel 8 auf DMAX. Katastrophe!

I like - № 341: Secta – der Podcast über Sekten und religiöse Sonder-Gemeinschaften

Auch wenn ich relativ viele Podcasts höre, bin ich privat kaum bei den großen Namen unterwegs. In meinen Abos finden sich eher trockene Nischenthemen aus den Bereichen Geschichte, Sicherheitspolitik, Geheimdienste und natürlich viel True Crime (obwohl das inzwischen ja eher Hype als Nische ist). Ergänzt wird dieses düstere Setup aber durch ein Schätzchen, das ich erst vor kurzem entdeckt habe: Secta, der Podcast über Sekten, Kulte, neureligiöse Bewegungen und Religionsgemeinschaften.

Vater dieses Podcasts ist Fabian, evangelischer Theologe und in diesem Umfeld schon seit einigen Jahren als Blogger aktiv. Und als Theologe beginnt er die erste Folge auch mit einer angenehm nüchternen Definition dessen, was er unter einer Sekte versteht und warum er diesen Begriff am liebsten vermeiden würde. Dieser wissenschaftliche Respekt zieht sich durch alle Folgen: So lernen Hörer natürlich die „Klassiker“ wie Jim Jones‘ People Temple und die Manson Family kennen. Er nimmt aber auch neue Bewegungen wie Shinchonji oder arriviertere Glaubensgemeinschaften wie die Mormonen und Zeugen Jehovas mit hinters Mikrophon. Und das alles ohne die übliche „Krass, was für Spinner!“-Attitüde, sondern stets analytisch und mit dem ehrlichen Anspruch, das jeweilige Glaubenssystem zu verstehen. Oder zumindest – je nach Destruktivität – dessen operative Funktion innerhalb der Gruppe aufzuzeigen. Gerade wenn im Ursprung christliche Gemeinschaften Thema sind, wird Fabians akademische Lupe sehr interessant. Je tiefer man nämlich in so manche Auslegungen, Vorstellungen und Dogmen einsteigt, desto mehr Raum für Kritik tut sich oft auf. Deswegen hat auch seine subjektive Einschätzung am Ende einer jeden Folge ihren verdienten Platz.

Secta kommt mit unterschiedlichen Formaten ums Eck. Den Kern machen sicherlich die tief recherchierten Folgen über einzelne Gemeinschaften aus. Diese werden hin und wieder durch „Sonderfolgen“ ergänzt, in denen einzelne Aspekte weiter vertieft werden oder z. B. Aussteiger zu Wort kommen. Darüber hinaus gibt es noch „Was sonst noch wa(h)r“, eine Art Newsflash, in dem Aktuelles kurz und knapp abgehandelt wird.

Warum diese ganze Lobhudelei für einen von zig Podcasts in meiner Playlist? Zum Einen natürlich, weil das ja das Wesen meiner „1000 Things I Like“-Reihe ist, zum Anderen hat der Podcast bei mir aber gleich mehrere Nerven getroffen. Abgesehen davon, dass das Thema an sich einfach sauspannend ist, sind mir religiöse Sondergemeinschaften (zumindest eine) auch familiär etwas vertraut. Das ist auch einer der Gründe, weswegen ich mit den üblichen Grusel-Reportagen über Sekten wenig anfangen kann. Das – und das schwäbische Timbre des Sprechers sorgt für ein bisschen wohliges Heimatgefühl. Aber auch ganz objektiv: eine sauber recherchierte, differenzierte und dabei auch immer amüsante Angelegenheit. Zum testweise Reinhöhren (wenn man nicht bei der Einführung anfangen möchte) empfehle ich Folge 16 mit Jehovas Zeugen, die ist ein guter Querschnitt.

I like - № 283: Kressi Kräuter Vollwürz-Essig

Ich esse und mache gerne Salat. Und natürlich ist Essig ein essentieller Bestandteil von fast jedem Salatdressing. Mein Problem war allerdings lange, einen Essig zu finden, mit dem man Dressings eine vernünftige Säure geben kann. Und zwar ohne dieser durch andere Zutaten die Spitze nehmen zu müssen. Vor einigen Jahren landete dann zufällig der Kressi Kräuter Vollwürz-Essig von Kauffmann in meinem Einkaufskorb – ausgelöst durch meine irrige Annahme, dass Kresse in irgendeiner Form geschmacksgebend wäre. Ist es nicht. Es ist ein einfacher Essig aus einem Drittel Wein und zwei Dritteln Branntwein, hergestellt nach einem „Original Schweizer Rezept“, dessen Ursprung aber in Dunkeln bleibt. Zusätzlich ist Kressi laut Etikett „gekräutert – gewürzt – gesalzen“.

Man ahnt also: eine kleine Geschmacksbombe. Im Einsatz zeigt er sich aber als äußerst variable Zutat. Je nach Menge kann man auch einfachste Salatsoßen in ganz unterschiedliche Richtungen drehen, ohne dass man Sorge haben müsste, dass sich einem beim Essen das Gesicht verzieht. Kressi sorgt eigentlich immer für einen runden, ausgeglichenen Umami-Geschmack. Ich nutze ihn auch bei komplexeren Dressings häufig als Geschmacksgrundlage und ergänze andere Säuren, wie z. B. Zitrusfrüchte, Balsamico oder andere Essigsorten.

Nicht unerwähnt bleiben sollten allerdings zwei Zutaten, die abhängig von der Konsummenge als bedenklich eingestuft werden. Die eine ist E621 (Mononatriumglutamat), ein Geschmacksverstärker, der auch erklärt, warum sich Kressi so geduldig in der Dosierung zeigt. Die andere ist E150c (Ammoniak-Zuckerkulör), ein Farbstoff. Auch der Salzgehalt ist mit über 4g / 100ml eher hoch, was sich allerdings durch weniger selbst hinzugegebenes Salz automatisch ausgleicht … schätze ich mal.

Eins ist klar: Kressi ist kein healthy-mealthy Superfood. Aber durch die sehr überschaubare Menge im täglichen Einsatz, hoffe ich, dass es sich bei einer halbwegs ausgewogenen Ernährung um ein vertretbares Produkt handelt. Für mich persönlich ist er ein wichtiger Bestandteil der Küche geworden. Ich habe ihn sogar schon in kleiner Flasche abgefüllt auf Reisen mitgenommen und hege eine stete Sorge, dass er plötzlich nicht mehr erhältlich sein könnte. Kauffmann ist heute nur noch eine Produkt-Marke, die von Kühne weitergeführt wird. Offenbar übernahm sich der ursprüngliche Hersteller 1999 beim Bau einer neuen Produktionsstätte und musste im Folgejahr Konkurs anmelden.

Erhältlich ist Kressi im Raum Hamburg ausschließlich bei Real, zumindest konnte ich ihn sonst noch nirgendwo im Regal finden. Und auch die Markenpräsenz im Kühne-Universum ist relativ stiefmütterlich, einen Link oder irgendwelche „offiziellen“ Infos suchte ich vergebens. Nährt meinen Verdacht, dass ich demnächst mal eine Palette bunkern sollte.

1000 Things I Like

Die sieben monatlichen Besucherinnen und Besucher dieser Website werden es schon gemerkt haben: Ich habe mal wieder alles gelöscht, um Platz für ein neues Projekt zu schaffen. Vor mir liegt nämlich eine Liste von 1000 Dingen, die ich mag. Und diese Liste werde ich in freier Reihenfolge mit kleinen Artikeln abarbeiten. Unterschiedlichstes Zeug. Mal sehen, wie lange ich brauche. Los geht es mit meinem Lieblingsessig.

Ob ich diese Liste wirklich habe? Na klar!

Echt jetzt.

Und wer trotzdem eine Idee hat, was noch drauf könnte: Schreib mir!